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Nazis die Räume nehmen!

Was ist Thor Steinar?
Wer aufmerksam die Entwicklung der extremen Rechten in Deutschland beobachtet, kann den Trend nicht übersehen - immer mehr Neonazis lassen den alten martialischen Skinheadlook beiseite und suchen sich neue, diskretere und modischere Kleidungsstile. Eine der Marken, die innerhalb der deutschen Nazi-Szene in diesem Sektor boomt, ist die Marke “Thor Steinar” aus Königs Wusterhausen bei Berlin.

Diese Marke ermöglicht es den AktivistInnen der extremen Rechten, sich stilvoll in hochwertiger Qualität zu kleiden, ohne dabei auf völkische Symbolik verzichten zu müssen. Diese soll jedoch so codiert, dass sie nur die AnhängerInnen und SymphatisantInnen der eigenen Szene entschlüsseln können und so sind Kleidungsstücke von “Thor Steinar” mittlerweile nicht nur auf jedem Neonazi-Aufmarsch, sondern auch zunehmend in unpolitischen Bereichen der Jugendkultur zu beobachten.

- "Thor Steinar" ist eine Kleidungsmarke, die aus dem Umfeld der Nazi-Szene produziert und vertrieben wird, die sich völkischer Symbolik mit NS-Bezug bedient.

- JedeR der/die solche Klamotten kauft und anzieht, unterstützt damit direkt Nazis in ihrem Bestreben, ihre Inhalte und Symbole in die Gesellschaft zu tragen.

- Sie wollen als "ganz normale" Jugendliche in "ganz normalen" Klamotten und mit "ganz normalen" Symbolen gesehen werden, um so ungehindert ihr menschenverachtendes Denken verbreiten zu können.

Ob rassistische Aufkleber an Hannovers Laternen, ob der Kiosk nebenan, der die neueste Ausgabe der NPD Zeitung im Angebot hat oder der Nachbar, der mit Thor Steinar Jacke in die Disco geht. Drei Beispiele, die alltäglich und keineswegs neu sind. Neu daran ist, dass diese Entwicklung in immer breiteren Kreisen auf Akzeptanz stößt. Anders ist das immer häufigere selbstsichere Auftreten von organisierten Nazis und SympathisantInnen im Innenstadtbereich nicht zu erklären.

Schon jetzt können Nazis Wochenende für Wochenende in Läden wie etwa dem Rockhaus ganz offen und selbstverständlich auftreten, feiern und versuchen Jugendliche für sich zu gewinnen ohne dort auch nur wenigstens böse an geguckt zu werden, geschweige den angepöbelt oder gar vertrieben zu werden. Sie sind dort mittlerweile ein so selbstverständlicher Teil des Stammpublikums, dass sie den Türstehern sagen können wer raus geschmissen wird.

Die Zeiten in denen ein Großteil der jugendlichen Neonazis im Skinhead-Stil mit Springerstiefeln und Bomberjacken als klar erkennbar galten, längst vorbei sind. Heute wollen sie sportlich, modisch und diskreter auftreten, allerdings ohne auf ihre rechtsextremen Symbole zu verzichten. Marken wie etwa „Thor Steinar“ bieten hierzu die Möglichkeit und es gibt sie nur in wenigen speziellen Läden.
Selbst vor gezielter Übernahme von Codes, die mit der radikalen Linken verbunden sind, wie z.B. dem Antifalogo, schrecken sie nicht zurück. Es ist zu beobachten, dass die Nazis immer mehr versuchen an verschiedenen Jugendkulturen anzuschließen und das nicht ohne Erfolg. So sind sie nicht nur, wie oben beschrieben, im Rockhouse oder auch in der „1 Euro bar“ Normalität, sondern etablieren sich auch immer mehr in anderen Umfeldern. Man kann sie z.B. vermehrt bei Hardcore- und Punkkonzerten antreffen und selbst der Besuch von vermeintlich alternativen Läden gehört anscheinend immer öfter zu den Wochenendplanungen der Nazis. Eine klares Statement gegen Nazis kommt dabei immer seltener. Dies gilt es zu ändern!

Die Akzeptanz für Nazis kann aber nicht mit einem Klamottenwechsel erklärt werden. Generell scheint der Umgang auch mit deutlich-erkennbaren Nazis kein Problem mehr zu sein. Bei Partys und Konzerten ist oft das friedliche Verhalten der entscheidende Faktor. Doch auch wenn sie gerade keine linken Jugendlichen anpöbeln oder MigrantInnen angreifen, stellt ihre Präsenz, schon allein durch ihre menschenverachtende Ideologie, eine Aggression dar.

Nazis fallen nicht vom Himmel. Sie können sich dann ungehindert ausbreiten, wenn die Gesellschaft das zulässt. In einer gesellschaftlichen Situation, wo Flüchtlinge und MigrantInnen diskriminiert und angegriffen werden, wo die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander klafft und nicht zuletzt Grossereignisse, ob Grand-Prix oder EM, zusätzlich nationalistisch aufgeladen werden, fühlen sich die Nazis äußerst wohl. So gerne sie sich auch revolutionär oder radikal sein wollen, treiben sie lediglich nur gesellschaftlich weit verebreitete Positionen auf die Spitze.

Es bleibt dabei: Wir haben keinen Bock auf Nazis! Ganz egal welche Klamotten sie tragen, ob mit Baseballcap und Piercing oder mit Schlips und Kragen. Sie stehen für alles, was wir hassen. Seien es rassistische Unterdrückung und Ausgrenzung, Frauenbilder die nur „Gebährmaschine“ und Mutterrolle bedeuten oder ihr nationaler Wahn. Das alles hat mit unserer Vorstellung von einem guten Leben nicht das geringste zu tun! Wir wollen sie weder auf Straße, noch bei Partys, nicht in der Kneipe, nicht in der Schule, nicht im Stadion, nicht an der Uni und nicht auf der Arbeit oder sonst irgendwo dulden.
Kämpfen wir zusammen und nehmen wir den Nazis die Räume!